
Der Milliardär-Investor Warren Buffett gab am 31. März ein Interview mit CNBC und sagte, dass er angesichts der immer engeren Verbindungen zwischen dem Bankensystem und Nichtbankinstitutionen bereits Anzeichen für Verletzlichkeiten im Finanzsystem sehe. Er betonte zudem, dass die US-Notenbank (Fed) die Stabilität des Finanzsystems als oberste Priorität sichern sollte. Buffett äußerte außerdem seine Sorge um die Rolle des US-Dollars als Weltreservewährung – und zwar mehr als um die Wirtschaftskrise selbst.
In dem Interview machte Buffett auf ein systemisches Risiko aufmerksam, das in den Märkten zunehmend Beachtung findet: Die Verflechtung des Bankensektors mit Nichtbankinstitutionen wie Private-Credit-Fonds schafft potenzielle Übertragungs- bzw. Weiterleitungs-Schwachstellen. Er nannte als Beispiel JPMorgan und erklärte, dass die großen Banken täglich Vermögensströme in Höhe von mehreren Billionen Dollar abwickeln – ein entscheidender Knotenpunkt für das Funktionieren der gesamten Wirtschaft.
„Sie beeinflussen sich gegenseitig. Wenn bei einer etwas schiefgeht, könnte das auf andere Institutionen übergreifen“, sagte er.
Der Hintergrund dieser Warnung: Jüngste „Platzierungen“ bzw. Ausfälle im Kreditmarkt haben mehrere Fälle ausgelöst und damit die Sorge in den Märkten über die Bilanzen von Banken und Private-Credit-Fonds geschürt. Buffett sagte, dass sich bei einer sich ausbreitenden Panik viele Anleger möglicherweise schnell zurückziehen und dadurch der Abwärtsdrog die Abwärtsspirale weiter beschleunigt. Er ging dabei besonders auf die Finanzkrise 2007 bis 2008 zurück, als selbst die größten Unternehmen zeitweise die Telefone nicht mehr abnahmen – als Erinnerung daran, wie zerstörerisch systemische Finanzkrisen sind, weit über einem normalen Marktrückgang hinaus.
Angesichts der Kritik von außen stellte Buffett am Dienstag klar, dass diese Kasse nicht ohne Weiteres angegriffen bzw. eingesetzt werde. „Wenn der Markt deutlich fällt, werden wir eingreifen“, sagte er und bestätigte zugleich, dass Berkshire in dieser Woche bei einer Auktion erneut 17,0 Milliarden US-Dollar in US-Treasury Bills gekauft hat.
Derzeit ist die Börse nur etwa 5% bis 6% günstiger als die jüngsten Hochs. Buffett ist der Ansicht, dass das für die Investitionsstandards von Berkshire bei Weitem nicht ausreicht: „Unser Investitionsziel ist nicht, um eine Rendite von 5% oder 6% zu erzielen.“ Seine Geduld bei Investitionen gründet sich auf die disziplinierte Ansammlung über Jahrzehnte – das Warten auf Möglichkeiten, wie damals bei American Express (AXP) und Occidental Petroleum (OXY): auf ausreichend niedrige Kurse, damit sich Gelegenheiten für echte langfristige Renditen ergeben.
Er merkte gleichzeitig an, dass Berkshire-Aktienkurse seit seiner Amtszeit als Kapitän bereits dreimal um mehr als 50% gefallen seien; im Vergleich dazu sei der aktuelle Marktrückgang „wirklich nichts“.
In dem Interview fielen Buffets Aussagen zu US-Dollar und Inflation besonders ins Gewicht – vor allem folgende Punkte:
Die verborgene Sorge um die Stellung der Dollar-Reserven: Buffett sagte, er habe Bedenken bezüglich der Rolle des US-Dollars als Weltreservewährung – und zwar sogar stärker als gegenüber der Sorge um die wirtschaftliche Rezession selbst. Außerdem betonte er, dass die Stabilität des Bankensystems viel wichtiger sei als jede einzelne Marktvolatilität
Zweifel am Inflationsziel der Fed: Er äußerte Zweifel am Fed-Inflationsziel von 2% und sagte: „Ich wünsche mir, dass ihr Inflationsziel bei null liegt. Sobald du anfängst zu sagen, dass du 2% Inflation tolerieren willst, führt das über die Zeit zu sehr ernsten Folgen“
Casino-Vergleich: Er beschrieb den Kernwiderspruch des US-Marktes mit einer eindrucksvollen Metapher: „Du besitzt einen großartigen Tempel, der das US-Wirtschaftssystem heißt, aber daneben ist auch ein Casino, und die Leute laufen zwischen beiden hin und her.“
Er betonte zugleich den grundlegenden Logikgedanken für langfristige Aktienbestände: „Wenn Anleger eine bestimmte Anzahl an Aktien 50 Jahre lang halten, machen sie beträchtliche Gewinne. Das amerikanische kapitalistische System funktioniert – und die Wette des Spielers gegen den Bankhalter funktioniert nicht.“
Buffett sagte, dass mit zunehmender Verflechtung des Bankensektors und Nichtbankinstitutionen wie Private-Credit-Fonds das Problem in einer Institution sich potenziell über Übertragungseffekte auf andere Institutionen ausweiten kann und so Kettenrisiken entstehen. Er betonte, dass die Fed die Stabilität des Finanzsystems als oberste Priorität sichern sollte, und erinnerte an die systemische Erschütterung der Finanzkrise 2008 als Warnsignal.
Buffett ist der Ansicht, dass die Rolle des US-Dollars als globale Reservewährung ein grundlegendes Fundament für das langfristige Funktionieren des US-Finanzsystems ist und dass die Stabilität des Bankensystems weitaus wichtiger ist als jede einzelne Marktvolatilität. Wenn die Stellung der Dollar-Reserven ins Wanken gerät, könnten die langfristigen strukturellen Auswirkungen weit über einer einzelnen, gewöhnlichen zyklischen Rezession liegen.
Buffett sagte, dass Berkshire nur dann erwägen würde, aktiv einzugreifen, wenn sich am Markt eine echte Chance für „einen deutlichen Rückgang“ ergibt. Derzeit sei der Markt nur um etwa 5% bis 6% unter den jüngsten Hochs, was seine Rendite-Hürden nicht erfülle. Der Cash werde weiterhin in Form von US-Treasury Bills aufbewahrt und auf einen passenden Zeitpunkt warten.